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UX Design Prozess: Von der Idee zum nutzerfreundlichen Produkt

Der UX Design Prozess erklärt – von Research über Wireframes bis Testing. Praxisnaher Guide mit Methoden, Tools und Tipps für erfolgreiche digitale Produkte.

UX Design Prozess: Von der Idee zum nutzerfreundlichen Produkt

Was ist UX Design?

UX Design (User Experience Design) gestaltet das gesamte Erlebnis, das ein Mensch mit einem digitalen Produkt hat. Es geht nicht nur darum, wie etwas aussieht – sondern wie es sich anfühlt, wie intuitiv es ist und ob es das Problem des Nutzers löst.

UX Design umfasst:

  • Nutzerforschung und Analyse
  • Informationsarchitektur
  • Wireframing und Prototyping
  • Usability Testing
  • Interaktionsdesign

UX vs. UI: Der Unterschied

UX DesignUI Design
FokusErlebnis & FunktionErscheinungsbild & Ästhetik
Frage«Ist es einfach zu nutzen?»«Sieht es gut aus?»
OutputWireframes, Flows, TestsVisuelle Designs, Styleguides
MetapherDas Fundament eines HausesDie Fassade und Inneneinrichtung
ToolsFigma (Wireframes), Maze, HotjarFigma (Visuals), Principle

In der Praxis überschneiden sich UX und UI stark. Die besten Ergebnisse entstehen, wenn beides zusammen gedacht wird.

Der UX Design Prozess in 5 Phasen

Phase 1: Discover – Verstehen

Bevor du gestaltest, musst du verstehen. Diese Phase ist die wichtigste – und wird am häufigsten übersprungen.

User Research

  • Interviews: 5-8 Gespräche mit echten Nutzern reichen für erste Muster
  • Umfragen: Quantitative Daten zu Bedürfnissen und Schmerzpunkten
  • Analytics: Bestehende Daten auswerten (Wo steigen Nutzer aus? Wo klicken sie?)
  • Wettbewerbs-Analyse: Was machen andere gut? Wo liegt die Chance?

Ergebnisse strukturieren

  • Personas: Fiktive, aber datenbasierte Nutzerprofile
  • User Journey Maps: Der gesamte Weg des Nutzers, Schritt für Schritt
  • Pain Points: Die grössten Probleme und Frustrationen

Phase 2: Define – Definieren

Aus den Erkenntnissen der Research-Phase leitest du konkrete Design-Aufgaben ab.

Problem Statement

Formuliere das Kernproblem in einem Satz:

[Persona] braucht eine Möglichkeit zu [Bedürfnis], weil [Erkenntnis].

Beispiel:

«Sarah, Marketing-Leiterin eines KMU, braucht eine Möglichkeit, die Website-Performance zu verstehen, weil sie datenbasierte Entscheidungen treffen muss – aber kein Analytics-Experte ist.»

Prioritäten setzen

Nicht alles gleichzeitig lösen. Nutze ein Impact-Effort-Framework:

Niedriger EffortHoher Effort
Hoher Impact✅ Sofort machen📋 Planen
Niedriger Impact🤷 Nice-to-have❌ Weglassen

Phase 3: Design – Gestalten

Jetzt wird es visuell – aber schrittweise.

Informationsarchitektur

Bevor du Screens designst, definiere die Struktur:

  • Card Sorting: Nutzer sortieren Inhalte in Gruppen → ergibt die Navigation
  • Site Map: Hierarchie aller Seiten und Bereiche
  • User Flows: Wie kommt der Nutzer von A nach B?

Wireframes

Low-Fidelity-Skizzen, die Layout und Struktur zeigen – ohne visuelles Design:

  • Papier-Sketches: Schnellster Weg für erste Ideen
  • Digital Wireframes: Figma, Balsamiq oder ähnlich
  • Fokus auf Struktur: Wo steht was? Wie navigiert man?

Prototypen

Interaktive Wireframes, die sich wie ein echtes Produkt anfühlen:

  • Low-Fidelity: Klickbare Wireframes für grundlegendes Feedback
  • High-Fidelity: Pixel-perfekte Prototypen für finales Testing
  • Vorteil: Feedback vor der Entwicklung – spart massive Kosten

Phase 4: Test – Validieren

Design-Entscheidungen basieren auf Annahmen. Testing validiert oder widerlegt sie.

Usability Testing

  • 5 Nutzer reichen für 80% der Probleme (Nielsen Norman Group)
  • Tasks definieren: «Finde das Kontaktformular und sende eine Nachricht»
  • Beobachten, nicht erklären: Wenn du erklären musst, ist das Design nicht gut genug
  • Protokoll führen: Was funktioniert, was frustriert, wo gibt es Fragen?

Methoden

MethodeWannAufwand
Moderated TestingDetailliertes FeedbackHoch
Unmoderated TestingGrössere StichprobeMittel
A/B TestingVergleich zweier VariantenNiedrig
HeatmapsKlick- und Scroll-VerhaltenNiedrig
5-Sekunden-TestErster EindruckSehr niedrig

Phase 5: Implement – Umsetzen

Das Design wird Realität. Aber der UX-Prozess ist damit nicht zu Ende.

Design-to-Dev Handoff

  • Design System nutzen: Konsistente Komponenten von Design bis Code – lies dazu unseren Design System Guide
  • Spezifikationen liefern: Abstände, Farben, Typografie klar dokumentiert
  • Prototyp als Referenz: Entwickler klicken sich durch, statt PDFs zu lesen
  • Regelmässige Reviews: Design-QA während der Entwicklung

Launch & Iteration

  • Soft Launch: Erst für eine Teilgruppe ausrollen
  • Analytics einrichten: Conversion-Tracking von Tag 1
  • Feedback sammeln: Nutzer-Feedback nach dem Launch aktiv einholen
  • Iteration planen: UX ist nie «fertig» – plane regelmässige Verbesserungszyklen

UX Design Methoden im Überblick

MethodePhaseZweck
User InterviewsDiscoverBedürfnisse verstehen
Card SortingDefine/DesignInformationsarchitektur
WireframingDesignStruktur definieren
PrototypingDesignInteraktion simulieren
Usability TestingTestProbleme aufdecken
A/B TestingTest/ImplementVarianten vergleichen
HeatmapsImplementNutzungsverhalten analysieren
Design SprintsAlle5-Tage-Intensiv-Methode

UX Design Tools

ToolHauptnutzungPreis
FigmaDesign + PrototypingFreemium
MazeUnmoderated TestingAb $99/Mt
HotjarHeatmaps, RecordingsFreemium
MiroWorkshops, MappingFreemium
Optimal WorkshopCard Sorting, Tree TestingAb $99/Mt
Google AnalyticsQuantitative AnalyseKostenlos

UX Design Kosten

LeistungPreisbereich (CHF)
UX Audit3’000 – 8’000
User Research (Interviews)5’000 – 15’000
Wireframing & Prototyping5’000 – 20’000
Usability Testing3’000 – 10’000
Kompletter UX-Prozess15’000 – 60’000+

Mehr zu Webdesign-Kosten in der Schweiz in unserem Kosten-Guide.

Häufige UX-Fehler

  • Research überspringen: «Wir kennen unsere Nutzer» – tust du das wirklich?
  • Für sich selbst designen: Du bist nicht dein Nutzer
  • Zu viel auf einmal: MVP zuerst, Perfektion später
  • Kein Testing: Jede Annahme ist falsch, bis sie getestet ist
  • Ästhetik über Usability: Schön aber unbrauchbar hilft niemandem
  • Einmal designen, nie iterieren: UX ist ein laufender Prozess

UX als Wettbewerbsvorteil

In Märkten, wo Produkte und Preise ähnlich sind, entscheidet die Nutzererfahrung:

  • Conversion Rate steigt um 200-400% durch gutes UX Design
  • Kundenbindung steigt – weniger Churn, mehr Wiederkäufe
  • Support-Kosten sinken – intuitive Produkte brauchen weniger Erklärung
  • Markenwahrnehmung verbessert sich – gutes UX = professionelle Marke

Für die visuelle Umsetzung eines starken UX-Fundaments empfehlen wir eine durchdachte Markenpositionierung als strategische Basis.


Fazit

Der UX Design Prozess ist keine lineare Abfolge – er ist iterativ. Discover → Define → Design → Test → Implement → und wieder von vorne. Der wichtigste Grundsatz: Immer beim Nutzer anfangen, nie beim Pixel. Wer UX ernst nimmt, baut Produkte, die nicht nur gut aussehen, sondern tatsächlich genutzt und geliebt werden.

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