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Positionierungskreuz: So findest du deine Marktposition

Das Positionierungskreuz ist das effektivste Tool zur Markenpositionierung. Anleitung mit Beispielen, Vorlage und Schritt-für-Schritt-Methode für KMU.

Positionierungskreuz: So findest du deine Marktposition

Was ist ein Positionierungskreuz?

Das Positionierungskreuz (auch Positionierungsmatrix oder Perceptual Map) ist ein strategisches Tool, mit dem du die Position deiner Marke im Wettbewerbsumfeld visualisierst. Es besteht aus zwei Achsen, die jeweils ein relevantes Merkmal deines Marktes abbilden.

Das Ergebnis: Eine Karte, die zeigt, wo du stehst – und wo es freie Plätze gibt.

Warum das Positionierungskreuz so effektiv ist

  • Visuell: Komplexe Marktdynamiken auf einen Blick erfassbar
  • Vergleichend: Du siehst dich immer im Kontext der Konkurrenz
  • Strategisch: Lücken und Chancen werden sofort sichtbar
  • Kommunizierbar: Auch Nicht-Marketer verstehen es sofort

Aufbau des Positionierungskreuzes

Die zwei Achsen

Jede Achse repräsentiert ein Merkmals-Paar mit gegensätzlichen Polen:

                    Premium


         ┌────────────┼────────────┐
         │            │            │
Traditionell ─────────┼──────────── Innovativ
         │            │            │
         │            │            │
         └────────────┼────────────┘

                    Budget

Wichtig: Die Achsen müssen für deinen Markt relevant und unabhängig voneinander sein. «Teuer vs. Günstig» und «Hochwertig vs. Minderwertig» sind nicht unabhängig – sie messen fast das Gleiche.

Typische Achsen-Paare nach Branche

BrancheAchse 1Achse 2
AgenturenSpezialisiert ↔ Full-ServicePremium ↔ Budget
E-CommerceNische ↔ SortimentsbreitePreis ↔ Service
SaaSEinfach ↔ KomplexSelf-Service ↔ Beratung
GastronomieCasual ↔ Fine DiningTraditionell ↔ Modern
BeratungStrategisch ↔ OperativBranchenfokus ↔ Generalist

Positionierungskreuz erstellen: 6 Schritte

Schritt 1: Wettbewerber identifizieren

Liste 5-10 direkte und indirekte Wettbewerber auf. Direkte Konkurrenten bieten das Gleiche an. Indirekte lösen das gleiche Problem anders.

Beispiel für eine Branding-Agentur:

  • Direkt: Andere Branding-Agenturen in der Schweiz
  • Indirekt: Freelance-Designer, DIY-Tools (Canva), Marketing-Agenturen mit Branding-Angebot

Schritt 2: Relevante Dimensionen wählen

Frage dich: Nach welchen Kriterien entscheidet meine Zielgruppe?

Methoden:

  • Kundeninterviews führen
  • Bewertungen der Konkurrenz analysieren
  • Sales-Gespräche auswerten (Was fragen Kunden zuerst?)

Schritt 3: Wettbewerber einordnen

Platziere jeden Wettbewerber auf dem Kreuz. Sei ehrlich – auch bei deiner eigenen Position. Nutze Kundenwahrnehmung, nicht Selbstwahrnehmung.

Schritt 4: Muster erkennen

Wo häufen sich Wettbewerber? Das sind überfüllte Positionen – hier zu konkurrieren ist teuer. Wo ist es leer? Das sind potenzielle strategische Lücken.

Schritt 5: Wunsch-Position definieren

Wo willst du hin? Deine Wunsch-Position muss drei Kriterien erfüllen:

  1. Relevant: Deine Zielgruppe schätzt diese Position
  2. Glaubwürdig: Du kannst dieses Versprechen einlösen
  3. Differenzierend: Du bist nicht austauschbar

Schritt 6: Massnahmen ableiten

Die Lücke zwischen Ist- und Soll-Position definiert deine To-dos:

  • Kommunikation anpassen: Website-Texte, Messaging, Pitch
  • Angebot schärfen: Services fokussieren oder erweitern
  • Visuell umsetzen: Corporate Identity an neue Position anpassen
  • Pricing überdenken: Preis muss zur Position passen

Praxis-Beispiel: Agentur-Positionierung

                    Premium

           Agentur A  │  ★ BRANDFUSION
                ●     │     (Ziel)
         ┌────────────┼────────────┐
         │            │            │
Generalist ───────────┼──────────── Spezialisiert
         │            │            │
         │   ● Agentur C          │
         │            │  ● Agentur B
         └────────────┼────────────┘

         ● Freelancer D
                    Budget

Analyse:

  • Die meisten Agenturen positionieren sich als Generalisten im mittleren Preissegment
  • Die Lücke «Premium + Spezialisiert» ist wenig besetzt
  • Wer dort positioniert, kann höhere Preise mit Expertise rechtfertigen

Häufige Fehler beim Positionierungskreuz

1. Falsche Achsen wählen

Die Achsen müssen die Kaufentscheidung deiner Zielgruppe abbilden, nicht interne Kategorien. «Wir nutzen Agile» ist kein Kaufkriterium.

2. Sich selbst überschätzen

Die Position basiert auf Kundenwahrnehmung, nicht auf deinem Wunschdenken. Befrage echte Kunden, wo sie dich sehen.

3. Leere Quadranten naiv besetzen

Ein leerer Quadrant kann eine Chance sein – oder es gibt ihn aus gutem Grund (kein Markt). Prüfe, ob dort tatsächlich Nachfrage existiert.

4. Einmal erstellen und vergessen

Märkte verändern sich. Aktualisiere dein Positionierungskreuz mindestens jährlich. Neue Wettbewerber, veränderte Kundenbedürfnisse – alles fliesst ein.

Positionierungskreuz vs. andere Tools

ToolStärkeWann nutzen
PositionierungskreuzVisuelle WettbewerbsanalyseStrategische Positionierung
SWOT-AnalyseInterne + externe FaktorenGesamt-Situationsanalyse
Value Proposition CanvasKundenbedürfnisse matchenProdukt-Market-Fit
Positioning StatementPositionierung verbalisierenNach dem Positionierungskreuz
Brand ArchetypeMarkenpersönlichkeitTonalität & Kommunikation

Für die strategische Grundlage empfehlen wir: Erst das Positionierungskreuz, dann das Positioning Statement formulieren.

Vom Positionierungskreuz zur Umsetzung

Das Positionierungskreuz ist ein Analyse-Tool – kein Endprodukt. Die eigentliche Arbeit beginnt danach:

  1. Positionierung schärfenMarkenpositionierung Guide
  2. Visuell umsetzenCorporate Identity entwickeln
  3. Digital übersetzen → Website und Online-Präsenz anpassen
  4. Intern verankern → Team schulen, alle Touchpoints angleichen

Fazit

Das Positionierungskreuz ist eines der wirkungsvollsten strategischen Tools im Branding. Es zwingt dich, deine Marktposition ehrlich zu analysieren und bewusste Entscheidungen zu treffen. Nicht jede Lücke muss besetzt werden – aber jede Positionierung muss bewusst gewählt sein.

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